Abenteuer gleich hinter Abentheuer

Text: Martin Halm Fotos: Peter Klär, Martin Halm

 Jedes Mal wenn ich aus den Alpen nach einer Skitour voller Begeisterung und toller Eindrücke wieder nach Hause ins Saarland kam waren sie da – diese Gedanken warum man vor der Haustür nicht auch mit solch einer tollen Winterlandschaft verwöhnt ist. Und schon beginnt das Gedankenkarussell sich zu drehen...wenn es mal wieder richtig schneien würde bei uns...wenn...

Und dann kam die so lang ersehnte seltene Wetterlage: ergiebige Niederschläge und Temperaturen um den Gefrierpunkt, zu Hause in Ottweiler mal als Regen, mal als Schnee.

 

 

Als dann nach einigen Tagen jedoch sogar vor der Haustüre deutlich mehr als die sonstigen 5 cm Schnee lagen, nahmen die sonst meist nur diffusen Gedanken eines Skitouren Abenteuers in der Heimat auf einmal konkretere Formen an, an diesem Abend Anfang Februar 2015. Während draußen der Schnee kontinuierlich rieselt und für die nächsten Tage immer kältere Temperaturen vorhergesagt werden, geht sie los, die Jagd nach den passenden Höhenlinien und Hangausrichtungen auf der Karte rund um die höchsten Erhebungen im Hunsrück. Schnell wird klar, dass die aus den Alpen gewohnten Hangneigungen nicht zu finden sein werden aber es sieht an

einigen Stellen doch recht vielversprechend aus, man sollte es zumindest mal versuchen.

Es ist Mittwochabend, die Baustellen des täglichen Broterwerbs liegen sicher verstaut unter gut 10 cm Schnee begraben und so sollte also einer Skitour am Folgetag nichts im Wege stehen.

Also rufe ich kurzerhand Peter an, um ihm einfach mal von den Gedanken zu erzählen und es dauert keine 2 Minuten bis wir unseren Plan konkret haben:

Wir werden morgen eine Skitour im Hunsrück angehen!

 

Donnerstagmorgen, 8:30 Uhr: noch ganz ungläubig verstaue ich meine Tourenski und den Rucksack mit den Fellen und etwas Proviant im Auto und starte nun tatsächlich zum verabredeten Treffpunkt mit Peter. Wir fahren durchs

St.Wendeler Land Richtung Hunsrück, beide in einer Mischung aus Vorfreude

aber auch Skepsis was uns wohl erwarten wird.

 

Beim Betrachten der Schneehöhen am Straßenrand sind schon deutliche

Unterschiede zu den aus dem Schnee gefrästen Anfahrten zu unseren alpinen

Skitouren zu erkennen, aber die Hoffnung überwiegt.

 

Als wir hinter Nohfelden dann ins Traunbachtal abbiegen, wird die Schneelage

deutlich eindrucksvoller und wir sind uns sicher, dass die Ski die richtige Wahl des

Sportgerätes waren. Im Sommer waren wir hier schon auf einigen tollen Biketouren unterwegs und spätestens nachdem wir den Weiler „Abentheuer“ (ja den gibt’s wirklich) passieren, wissen wir dass wir richtig sind!

 

Wir finden eine Nische um das Auto am Waldrand zu parken und schon sind wir auf

Fellen unterwegs in den Wald. Anfangs begleitet uns noch eine Fußspur im tiefen

Pulverschnee, diese Endet aber bald an einer Hütte und nun starten wir in den unverspurten, klitzernden Pulverschnee und finden schnell in den gewohnten Skitouren Rhythmus – wenn wir´s nicht genau wüssten, man könnte meinen

irgendwo in Finnland unterwegs zu sein. Durch tief verschneite Tannen erreichen wir

einen offeneren Buchenwald und die sogar seitlich zugeschneiten glatten Stämme erinnern an die Bilder die man aus Videos vom Tiefschneefahren in Japan kennt!

Nach etwa 250 Höhenmetern erreichen wir ein „Gipfelplateau“ und es wird Zeit die Felle abzuschnallen und sich auf die erste Abfahrt vorzubereiten. Die Bindung klickt zu, zwei drei Stockschübe und wir sind am powdern – Wahnsinn! Wir legen 2 Spuren in die Waldschneise und genießen den besonderen Moment.

 

Nachdem die erste Abfahrt unser Vorhaben nun endgültig bestätigt hat sind wir angekommen und alle Zweifel sind verflogen. Wo geht es als nächstes hoch? Die Felle sind schnell wieder montiert und der nächste Aufstieg folgt um weitere Hänge zu erkunden, die wir auf unserer Karte markiert haben. Natürlich sind die Abfahrtshöhenmeter begrenzt und der Wechsel zwischen Abfahrt und Aufstieg folgt schneller als in den Alpen, aber wie bei jedem anderen knappen Gut verstärkt auch hier die Knappheit den Genuss! Wir genießen jeden Schwung und saugen die

Landschaft in uns auf. Mittlerweile kam auch die Sonne zum Vorschein und zwischen Wolkenfetzen zeichnet sich der stahlblaue Himmel gegen die zugeschneiten Baumkronen ab.

 

Nach einigen unberührten Hängen touren wir hinüber Richtung Hunsrückhaus am Erbeskopf und gönnen uns eine „Heiße Schoki“. Auch das Wintersportgebiet Erbeskopf wartet mit top Bedingungen auf und der Andrang hält sich an diesem Donnerstagnachmittag in Grenzen, sodass wir beschließen, noch ein paar

Abfahrten am Skilift zu machen. Leise surrend zieht uns der Bügellift zum Erbeskopf hoch und wir sammeln ein paar geschenkte Höhenmeter für die Tagesbilanz. Mit den

letzten Punkten auf unserem Skipass lassen wir uns noch einmal zum Gipfel ziehen und steigen dann die letzten Höhenmeter zur modernen Aussichtsplattform am Gipfel des Erbeskopf auf 818m.ü.NN hinauf.

 

Mittlerweile haben sich die letzten Wolken verzogen und wir können den Blick über den ganzen Hunsrück schweifen lassen. Mit einem letzten Blick zurück zum surrenden Skilift tauchen wir wieder in den unberührten Hunsrück ein und können die wohl längste Skiabfahrt unserer Region bis hinunter zum Ausgangspunkt unserer Tour genießen.

 

Am Ende unseres Tourentages stehen dann 25 km und 1.600 Höhenmeter zu Buche – keine schlechte Bilanz für den Hunsrück finden wir und machen uns mehr als glücklich auf den Heimweg, der heute allerdings mit 30 Minuten deutlich kürzer ausfällt als gewöhnlich...

Und schon kreisen die Gedanken um die Hänge die noch erkundet werden wollen...wenn es mal wieder richtig schneien würde bei uns...wenn...wir werden wieder da sein!

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